Die lindgrüne Zeit der Landespolizei

Zum 1. Januar 1973 wurde die bis dato kommunale Polizei Stuttgart als letzte städtische Vertreterin im Südweststaat verstaatlicht und damit Teil der Landespolizei Baden-Württemberg. Konsequenterweise änderte sich damit auch die Optik der Ordnungshüter: Die Stuttgarter Polizisten mussten ihre beliebte blaue Uniform ablegen und in das eher schlichte Lindgrün der Landespolizei schlüpfen.

 

Organisatorisch wurde aus dem kommunalen Polizeipräsidium Stuttgart jetzt die Landespolizeidirektion (LPD) Stuttgart II, da es bereits eine LPD Stuttgart gab, die für den Bereich des Regierungsbezirks Nordwürttemberg zuständig war und jetzt die Bezeichnung LPD Stuttgart I erhielt. Damit hatten zwei Landespolizeidirektionen in Stuttgart ihren Sitz:

  • die LPD Stuttgart I für den Bereich Nordwürttemberg (in der Neckarstraße) und
  • die LPD Stuttgart II für den Stadtbereich Stuttgart (auf dem Pragsattel).

Und für die Bürgerinnen und Bürger sahen beide gleich aus, weil auch die "Stuttgarter" jetzt in grünen Uniformen erschienen.


Die Dienstgradabzeichen der Landespolizei Baden-Württemberg

Als die Stuttgarter Polizisten 1973 die Uniform tauschen mussten, waren ihnen wenigstens die Dienstgradabzeichen geläufig: Die "Käsecken" gab's in blau bereits auf der städtischen Uniform. Das Rössle im Mützenstern wurde gegen die Landesfarben Schwarz-Gold getauscht, ebenso auf dem Ärmelabzeichen, auf dem nun das kleine Landeswappen mit den drei Stauferlöwen zu sehen ist. Die Dreiteilung in mittlerer, gehobener und höherer Dienst hat bis heute Bestand.

Dienstgradabzeichen Polizei Baden-Württemberg 1950, 1960 und 1970er Jahre
Tafel mit Dienstgradabzeichen im Polizeimuseum Stuttgart

Kopfbedeckungen

Die Schirmmütze mit silberner Kordel stand dem gehobenen Dienst zu

Der Mützenstern zeigt nun die Farben Baden-Württembergs: Schwarz-Gold.

Die Schirmmütze in weiß für die Kollegen im Verkehsdienst


Bereitschaftspolizisten mit Bergmütze
Bereitschaftspolizisten mit Bergmütze

Sonderbekleidung? Fehlanzeige!


Einsatzanzüge? Fehlanzeige! In den 1960ern bis in die 1970er bekamen die Polizisten bei Demonstrationen lediglich einen Helm als Kopfschutz, ansonsten trug man(n) die Alltagsuniform.

 

Hier lässt sich ein Polizist im Stuttgarter Schloßgarten Ende der 1960er Jahre von einer Demonstrantin ein Flugblatt reichen - im Vergleich zu den Bildern der Stuttgart 21-Demos allein vom Outfit in freundlicher Entspanntheit.

Uniform-Sammlung Gailing, Ludwigsburg
Uniform-Sammlung Gailing, Ludwigsburg

Der Kradfahrer begnügete sich mit der Halbschale, Kradbrille und Handschuhe.

Selbst zu Pferde trug man die Standarduniform mit Ausnahme einer speziellen Reiterhose und Reiterstiefel.

 

Klassiker: Römer-Halbschale, der Motorradfahrer und Porsche-Polizisten im 356er Cabrio behütete.


Ob dieser Aufruf im Charme einer Traueranzeige 1976 wohl viele Bewerber gebracht hat?

 

Interessant der Umstand, dass die Stuttgarter direkt geworben haben, was den großen Bedarf der Landeshauptstadt zeigt.

Dann doch eher so etwas: Polizeihaupt-meister im zivilen Porsche 911, der in der Regel nur auf der Autobahn zum Einsatz kam, für die die LPD Stuttgart I zuständig war.


Ende der 1970er zeigte auch die Polizei Humor in Uniform: Bild eines Präventionsplakats.
Ende der 1970er zeigte auch die Polizei Humor in Uniform: Bild eines Präventionsplakats.