Geschichtsort Hotel Silber

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg bietet im Internet einen "Virtuellen Geschichtsort Hotel Silber", der 2013 für den Grimme Online Award nominiert wurde. Da das Hotel Silber in der Geschichte der Stuttgarter Polizei eine nicht unwesentliche Rolle spielt, weisen wir ausdrücklich auf diese Webseite hin und empfehlen einen Besuch!

1870 erwarb Heinrich Silber das ehemalige Gasthaus "Zum bayerischen Hof" in der Dorotheenstraße 10 im Stadtzentrum von Stuttgart und baute es bis 1913 zu einem Prachtbau im Stil der Neo-Renaissance um, dem "Hotel Silber".

 

1903 gründete sich in dessen Räumlichkeiten die Deutsche Motorradfahrer-Vereinigung, aus der der ADAC hervorging. Nach dem Ersten Weltkrieg endete die Nutzung als Hotel. 1920 brachte die Deutsche Reichspost übergangsweise die Oberpostdirektion darin unter.

 

1928 zog das Polizeipräsidium Stuttgart einschließlich der Abteilung der Politischen Polizei in das Gebäude ein. 1933 zog das Polizeipräsidium wieder aus, um der darin verbleibenden Politische Polizei Platz zu machen, deren Personal verdreifacht wurde. Auf Befehl Heinrich Himmlers benannte man die Politische Polizei 1936 in Geheime Staatspolizei (kurz: Gestapo) um.

 

Von der 1938 in Wilhelm-Murr-Straße (nach dem damaligen Gauleiter von Württemberg-Hohenzollern) umbenannten Dorotheenstraße aus, koordinierte die Zentrale der württembergischen Gestapo ihre Überwachungs- und Verfolgungstätigkeiten.

 

1941 organisierte das sogenannte Judenreferat der Gestapo die Deportation von etwa 1.000 württembergischen Juden in das Konzentrationslager Jungfernhof in der Nähe von Riga. Sie wurden zuvor im Sammellager Killesberg zusammengetrieben.

 

1944 beschädigten Bomben das Haus zur Hälfte. Die Gestapo verblieb in dem Gebäude, aber ihre Zentrale wurde in das Eduard-Pfeiffer-Haus in der Heusteigstraße verlegt, in dem von 1947-1961 auch der Landtag untergebracht war.

 

1945 (12 Tage vor der Besetzung Stuttgarts am 22. April durch französische Truppen) erfolgte einer der letzten politischen Morde im ehem. Hotel Silber. Die Stuttgarter Jüdin Else Josenhans wurde von SS-Hauptscharführer Anton Dehm im Keller des Gebäudes erhängt. Den Befehl hierfür gab Kriminalrat, SS-Obersturmbannführer und letzter Leiter der Staatspolizeileitstelle Stuttgart Friedrich Mußgay.

 

Noch im April 1945 wird Karl Weber erster Polizeipräsident von Stuttgart nach dem Ende der Nazi-Herrschaft und baut vom ehem. Hotel Silber die Stuttgarter Polizei wieder auf. Bereits im Mai 1945 nimmt das neue Polizeipräsidium Stuttgart wieder seine Arbeit auf. Im Juli 1945 übernehmen die Amerikaner Stuttgart.

 

1947 erfolgt der Wiederaufbau des zerstörten Gebäudeteils, 1948 feiert das Polizeipräsidium Stuttgart das Richtfest.

 

1984 zieht die Stuttgarter Polizei aus dem Gebäude aus und es gibt erste Überlegungen hinsichtlich eines Abrisses. Nach Protesten entschließt man sich zu einer Sanierung des Gebäudes und dem Anbringen einer Gedenktafel im Eingangsbereich.

 

1988 ziehen Teile des Innenministeriums Baden-Württemberg ein (Nutzung als Dienstgebäude).

 

2010/ 2011 erfolgt eine Änderung des Bebauungsplans und erneute Diskussionen über einen Abriss flammen auf. Es erfolgt die Entscheidung, das Gebäude zu erhalten und einen "Gedenkort Hotel Silber" einzurichten.