Unsere Sonderfahrzeuge

Hier wird es spannend: Das Polizeimuseum Stuttgart hat seit kurzem zwei ausgediente Sonderfahrzeuge der Polizei in seinem Fuhrpark, die richtige Kracher sind! Sie können demnächst auf der Retro Classics in Stuttgart live bewundert werden.


Sonderwagen 4 (SW 4)

Thyssen TM 170

Baujahr / Erstzulassung 1988 / 20.04.1988
Motor 6  Zylinder Diesel
Hubraum 5.638 ccm
Leistung 125 kw / 170 PS
Höchstgeschwindigkeit 96 km/h
Antrieb Allrad  4 x 4
Eigen-/zulässig. Gesamtgewicht 10 t / 11,2 t

Die Polizei setzte bereits in der Weimarer Republik in speziellen Lagen gepanzerte Radfahrzeuge ein. Die Bundesrepublik nutzte in der Anfangszeit des damaligen Bundesgrenzschutzes (BGS) sowie der Bereitschaftspolizeien zunächst umgebaute und überholte Spähpanzer des US-amerikanischen Typs M8 Greyhound aus dem Zweiten Weltkrieg unter der Bezeichnung „Geschützter Sonderwagen M8“ (SW M8). Ab 1963 wurden dann speziell für polizeiliche Zwecke Fahrzeuge entwickelt, die der Reihenfolge nach Sonderwagen SW 1 bis SW 3 (Mowag bzw. Saladin) bezeichnet wurden (näheres hierzu siehe unten) .

 

1984 wurde als Ersatz für die Sonderwagen 1 und 2 der „TM 170“ von Thyssen-Maschinenbau (jetzt Rheinmetall AG) als „SW 4“ bei der Polizei eingeführt. Das Fahrzeug basiert auf dem Mercedes Unimog (Baureihe 435, Baumuster 435.160-Thyssen TM 170) und verwendet dessen Fahrgestell, Motor und Getriebe. Auf das Chassis wurden bei Thyssen der gepanzerte Aufbau gesetzt und die Aufrüstung montiert. Insges. wurden 290 Stück des TM 170 für deutsche und ausländische Polizeien gebaut. 

 

Eingesetzt wurde der SW 4 zum geschützten Transport von Personen und Material, sowie zur Räumung von Hindernissen bei Katastropheneinsätzen, gewalttätgen Demonstrationen oder Amoklagen. Mit dem Anbau eines Absperrgitters konnte das Fahrzeug auch zur Sicherung von Objekten (so war es im Zusammenhang mit den RAF-Prozessen oft in Stuttgart-Stammheim zu sehen) oder zum Abdrängen von Störern genutzt werden. Auch Sicherheitsfirmen nutzten den Typ für Geldtransporte.

 

Der Mehrzweckaufsatz erlaubte leuchtstarke Scheinwerfer oder Bewaffnung mit Zielvorrichtung im Innern. Ebenso von innen bedienbar sind Räumschild und Scheibenverschläge. Sogar ABC-Schutz konnte durch Überdruck im Innenraum erzeugt werden. Weiterhin ist der SW4 auf dem Dach mit einer Einrohrwurfanlage für Reizstoff- und Nebelwurfkörper ausgestattet. Zum Einsatz kamen diese Optionen außer bei Übungen praktisch nie. Die Spezialreifen hielten jeder Belastung oder Beschädigung stand. Mit rund 50.000 km ist dieser voll funktionsfähige SW 4 gerade mal gut eingefahren und Beleg, dass die Fahrzeuge selten auf längeren Strecken bewegt wurden - wäre für die Insassen auch unkomfortabel, da keine Klimatisierung und äußerst beengte Platzverhältnisse (zumindest für größere Personen).

SW4 in Blau umlackiert ...
SW4 in Blau umlackiert ...

Nachfolger des SW4 wird der Survivor R 4x4, der als SW5 bezeichnet werden wird, von dem Bundes- und Länderpolizeien bereits insgesamt 55 Stück bestellt haben.  Bis er allerdings einsatzbereit in ausreichender Anzahl zur Verfügung steht, werden die letzten Exemplare des SW4 noch genutzt: nicht nur umlackiert auf Blau, sondern auch technisch upgedatet.

(Zur Geschichte der Sonderwagen: siehe unten.)

... mit technischen Updates.
... mit technischen Updates.


Wasserwerfer WaWe9 vom Polizeimuseum Stuttgart

Wasserwerfer 9000 (WaWe 9)

Mercedes SK, Typ 2634 AK

Baujahr / Erstzulassung 1995 / 07.06.1995
Motor V6 Diesel Turbolader
Hubraum 10.964 ccm
Leistung 250 kw / 340 PS
Höchstgeschwindigkeit 109 km/h
Antrieb Allrad  6 x 6
Eigen-/zulässig. Gesamtgewicht 16,45 t / 26,3 t

Der Wasserwerfer „WaWe 9“ (9.000 Liter-Tank) wurde Ende der 1970er völlig neu entwickelt und ab Mitte der 1980er nach und nach beim damaligen Bundesgrenzschutz (BGS, heute Bundespolizei) und den Bereitschaftspolizeien der Länder in Dienst gestellt. Die Vorgängergenerationen (WaWe 4 bzw. 6) waren den neuen Einsatzanforderungen nicht mehr gewachsen: die Ausschreitungen wurden gewalttätiger, der Wasservorrat war begrenzt und zunehmend wurden Fahrzeuge erstürmt oder außer Gefecht gesetzt. So bekam der neue „WaWe 9“ bruchsichere Polycarbonat-Verglasung (Lexan), die Gitter überflüssig machte und Reifen mit Notlauf-Eigenschaften. Die im Vergleich zu früher höhere Fahrerkabine ermöglicht hinten eine erhöhte Sitzanordnung der beiden Rohrführer-Plätze und damit einen besseren Blick der Bediener über das Einsatzgeschehen.

 

Insgesamt wurden 116 Stück des „WaWe 9“ in unterschiedlicher Motorisierung gebaut, in dem auf den Basis-Lkw von Mercedes der Sonderaufbau durch die Firmen Metz (Prototyp) und Ziegler (Serie) gesetzt sowie die Modifikation am Chassis vorgenommen wurden. Dieser Museumswasserwerfer ist eines der letzten und aktuellsten Modelle. Für den Betrieb waren vier bis fünf Beamte erforderlich: Kommandant, Fahrer, ggf. Beobachter und zwei Bediener der Wasserwerfer (Rohrführer).



Beschaffung der Sonderfahrzeuge

Diese Sonderfahrzeuge werden vom Bund zentral beschafft und bei der Bundespolizei sowie den Bereitschaftspolizeien der Länder vorgehalten. In Baden-Württemberg werden die Fahrzeuge seit der Polizeireform 2014 zusammen mit Spezialkräften und -einheiten beim Polizeipräsidium Einsatz geführt, das die Polizeidienststellen des Landes aber auch andere Bundesländer und den Bund vielfältig bei Einsätzn unterstützt. Polizeiliche Wasserwerfer und Sonderwagen werden häufig auch bei Katastrophen und Waldbränden eingesetzt*.

Imagefilm des    PP Einsatz*



Externe Filmbeiträge*

Wasserwerfer-Ausbildung

Die Kurz-Dokumentation von FOCUS online berichtet über den WaWe 9, die Ausbildung an ihm und sein Einsatz am Beispiel der Polizei in Bayern

Diese Reportage von WELT zeigt anhand des neuen "Survivor R" ausführlich die Geschichte aller bisherigen polizeilichen Sonderwagen, beginnend 1919 in der Weimarer Republik, über die  bundesdeutschen Versionen  SW1 bis 4, zum allerneusten Modell. 

Geschichte der Sonderwagen



*Wir verweisen gerne auf diese externen Filmbeiträge, die zum Thema passen und auf YouTube veröffentlicht sind. Für die Inhalte sind die Verfasser verantwortlich.